Biopolymernetzwerk Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

5. Wie umweltfreundlich sind Herstellung und Einsatz von Biokunststoffen?

Die Auswirkungen, die ein Produkt während seiner Herstellung, seines Einsatzes und seiner Entsorgung auf die Umwelt hat, können durch Ökobilanzen (engl. LCA - Life Cycle Assessment) aufgezeigt werden. Die häufigste Form sind vergleichende Ökobilanzen, bei denen mehrere Produkte hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt in verschiedenen Kategorien mit einander verglichen werden.

Mittlerweile gibt es mehrere Ökobilanzen, in denen die Umweltwirkungen verschiedener Biokunststoffe untereinander und im Vergleich mit konventionellen Kunststoffen analysiert werden.

Insgesamt sind die Ergebnisse vielschichtig. So haben Biokunststoffe in einzelnen Wirkungskategorien, wie z.B. Treibhauseffekt (Ausstoß von Klimagasen) und Beanspruchung fossiler Ressourcen erhebliche ökologische Vorteile gegenüber petrochemischen Kunststoffen. In anderen Wirkungskategorien, wie z.B. Eutrophierung (Nährstoffeintrag in ein Ökosystem) und Versauerung von Böden schneiden die petrobasierten Kunststoffe besser ab als die biobasierten.

Die Entwicklung von Biokunststoffen ist ein sehr dynamischer Prozess, bei dem es an den verschiedensten Stellen, im Gegensatz zur Herstellung von petrochemischen Kunststoffen noch große Optimierungspotenziale gibt. Das fängt mit dem Anbau der nachwachsenden Rohstoffe an. Hier werden z.B. seitens der Landwirtschaft Anbausysteme erarbeitet, die die Stickstoffauswaschung optimieren, und es werden Nachhaltigkeitszertifikate eingeführt, um die nicht vermeidbaren Effekte (z.B. Eutrophierung und Versauerung) zu reduzieren oder zumindest objektiv zu bewerten. Aber auch die Nutzung von landwirtschaftlichen Nebenprodukten (z. B. Maisstroh, Zuckerrohrbagasse, etc.) zur Erzeugung von Prozessenergie (Wärme, Strom) verbessert ebenso die Ökobilanz, wie deren Nutzung als zusätzliche Rohstoffquelle. Und dann gibt es noch vielfältige technische Verbesserungsmöglichkeiten in der gesamten Produktionskette der Biokunststoffe bzw. der aus ihnen hergestellten Produkte. Diese können vor allem dann greifen, wenn nach und nach größere Mengen Biokunststoffe in den Markt kommen. Und zum Schluss wird eine weitere Reduzierung ökologischer Nachteile biobasierter Kunststoffe in Zukunft durch das Recycling dieser Werkstoffe erfolgen.

Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO)

Derzeit werden gentechnische Veränderungen vorwiegend an landwirtschaftlich bedeutsamen Pflanzen (Mais, Soja, Baumwolle) vorgenommen. Eine ganze Reihe von Biokunststoffen wird aus Pflanzen gewonnen, die nicht gentechnisch verändert wurden. Dazu gehören Biokunststoffe auf Basis von Holz bzw. Cellulose. Und auch bei der Herstellung von „Drop-Ins“, wie z.B. ein biobasiertes PE (Polyethylen, wird aus Zuckerrohr hergestellt), spielt Gentechnik keine Rolle.

Anders ist dies derzeit noch bei PLA (Polylactid). Der größte Teil des weltweit am Markt befindlichen PLA wird derzeit in den USA produziert. Grundlage für die Produktion von PLA ist Mais. Da in den USA auf 88 % der Maisanbaufläche gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen, ist davon auszugehen, dass gerade dieser Biokunststoff teilweise aus gentechnisch veränderten Pflanzen gewonnen wird. In Zukunft wird es jedoch auch vermehrt PLA auf Basis gentechnikfreier Stärken aus Asien geben.