Biopolymernetzwerk Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Fließpressen

Beim Fließpressen wird aus Naturfasern oder Naturfaserhalbzeugen und einem duro- oder thermoplastischen Kunststoff zunächst eine so genannte Pressmasse produziert. In das Werkzeug eingebracht wird sie unter Druck- und Hitzeeinwirkung geformt. Bei Drücken von 60 bis 70 bar und Temperaturen von 130 bis 150 °C reagiert der duroplastische Matrixwerkstoff und härtet aus. Thermoplaste dagegen werden auf ca. 180 °C erhitzt und härten bei der Abkühlung. Mit diesem Verfahren lassen sich hochfeste, große Bauteile mit unterschiedlichen Wanddicken herstellen. Durch das Fließen der Pressmasse können auch komplexere drei-dimensionale Körper als beim Formpressen hergestellt werden. Als erster natur-faserverstärkter, thermoplastischer Verbundwerkstoff für den Außenbereich wird mittlerweile eine PKW-Unterbodenverkleidung in Serie produziert (A-Klasse Daimler Chrysler).

Das Potenzial der biobasierten Kunststoffe ist mit diesem bereits realisierten und exemplarischen Beispiel noch lange nicht ausgeschöpft. Eine Anwendbarkeit von PLA als biobasierter Matrixwerkstoff für konkurrenzfähige fließgepresste langfaserverstärkte thermoplastische Anwendungen erfordert weitere Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass durch eine Zugabe von weiteren kompatiblen Biokunststoffen, insbesondere von Polybutylensuccinat (PBS), die Schlagzähigkeit und die Wärmeformbeständigkeit des Verbundes signifikant gesteigert werden kann, ohne dass das Material maßgeblich an Steifigkeit und Festigkeit verliert. Eine große Rolle in fließgepressten semistrukturellen Anwendungen werden zukünftig jedoch die nicht abbaubaren, biobasierten Polyamide und Bio-PP spielen, da diese ein deutlich breiteres und optimierungsfähigeres Eigenschaftsspektrum besitzen.